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Teil 01: Handmade ist tot. Es lebe Handmade.

 

Schon seit einiger Zeit beschäftigt mich die Zukunftsfähigkeit meines Jobs immer wieder und damit auch die Frage: Hat sich die Handmade-Welle totgelaufen? Sind angesichts der ganzen Mietfach-Geschäfte, DIY Plattformen, Handmade-Märkte und Auf-den-Selfmade-Zug-aufspringenden-Großkonzernen die Kunden nicht schon derart übersättigt, dass “dieser ganze Design-Kram” allen schon aus den Ohren rauskommt?

Oder ist man schlichtweg zu sehr Teil der “Handmade-Bewegung” und durch die ständige (virtuelle und tatsächliche) Begegnung mit Kollegen, befreundeten Designern und anderen Kreativen  zu sehr “drin” und damit schneller übersättigt als ein “normaler” Kunde? Sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr? Vielleicht gibt es das Problem ja nur in meiner von Pinterest, Instagram und DaWanda-Etsy-selekkt überreizten Phantasie.

Dass der Markt irgendwie übersättigt sein muss hat für mich damals das schnelle Aufgeben der deutschen “NotonTheHighStreet”-Plattform gezeigt: Diese in Großbritannien ziemlich erfolgreiche Website mit Handmade-Angeboten war in Deutschland mit ordentlich Etat, Mitarbeitern und richtig viel Werbung gestartet, um dann nach knapp einem Jahr die Segel zu streichen. An guten Verkäufern und engagierten Mitarbeitern hats echt nicht gemangelt – trotzdem haben sie in Deutschland nicht Fuß fassen können, weil der Markt einfach nicht genug hergegeben hat.

Daher bleibt letztendlich die Frage: Soll man immer noch brav seine Produkte entwickeln, (mehr oder weniger) in Handarbeit produzieren, in diverse Online-Shops und Ladengeschäfte einstellen und auf einem der gefühlt tausend Märkte verkaufen? Oder sich diesen ganzen Mist mit der Buchhaltung, der Bürokratie und den ständig veränderten Richtlinien und Gesetzen inklusive Abmahngefahr einfach nicht mehr geben – weil schließlich doch eigentlich zuwenig Geld rumkommt für all’ die Arbeit?

Muss man deswegen an einer bestimmten Stelle im Lebenslauf nach dem Motto “Go Big or Go Home” mehr und mehr “outsourcen” und möglichst international werden, damit sich der Verkauf überhaupt noch lohnt?

Also nicht mehr selber ransetzen, sondern günstig produzieren lassen? In großen Stückzahlen und/ oder Fernost? Und hoffen, dass es irgendwann DEN Großauftrag gibt, der einem den Durchbruch verschafft?

Zwischen dem Glück an der heimischen Schlagschere und einer betriebswirtschaftlich sinnvollen Preisgestaltung liegen also Welten. Wie schafft man es, die beiden miteinander zu kombinieren?

Zack, feddich: Knoten im Kopp.

 

Ich für mich habe beschlossen, dass ich erst einmal trotz dieser ganzen Probleme und Gedanken ein Teil der Kreativwirtschaft bleiben möchte – von Zuhause aus selbständig zu sein und das machen zu können, was ich liebe ist gerade in meiner jetzigen Situation wunderbar: Die zeitliche Flexibilität ist immer wieder ein absoluter Pluspunkt, wenn Lütti irgendwie schwächelt. Ausserdem bin ich jederzeit innerhalb von 10 Minuten zum Kindergarten geradelt, wenn mal was sein sollte. Klar zehren die Markt-Wochenenden ein bisschen am Familienleben und dass ausgerechnet die Vorweihnachtszeit die stressigste des Jahres ist, trägt auch nicht gerade zur besinnlichen Adventsstimmung bei. Aber der direkte Kontakt zu Kunden und Kollegen auf den Märkten ist für mich Gold wert – wenn man die meiste Zeit im stillen Kämmerlein arbeitet, ist es einfach herrlich, mal wieder so mittendrin in der Menge zu stehen, Meinungen zu hören und Erfahrungen auszutauschen.

Trotzdem bleiben ein paar Fragen, die ich mir jetzt dringend mal beantworten muss. Zum Beispiel das mit dem Outsourcen. Da hat sich bei “sonst noch was?” ja schon ziemlich viel getan: Am Anfang habe ich hier jedes Kärtchen noch selber ausgedruckt, gefalzt und zurechtgeschnitten. Inzwischen lasse ich alle Motive in deutschen Druckereien auf FSC-zertifiziertem Papier drucken – falzen und schneiden muss ich zwar in den meisten Fällen auch noch, aber es fällt schon einiges an Arbeit weg. Der Nachteil ist, dass ich immer eine Mindestzahl an Karten abnehmen muss und nicht mehr “on demand” produziere. Das heisst dann auch, dass ich hier ordentlich Platz zum Lagern brauche, was vor unserem Umzug in der kleinen Bonner-Altstadt-Wohnung gar nicht machbar gewesen wäre…

Im Kern ist das mit dem Outsourcen aber nicht wirklich eine Kosten- und Platzfrage, sondern in meinem Fall schlichtweg ein Zeit-Problem: Mit zwei Labels (sonst noch was? und meinen Fotografien), insgesamt 7 Onlineshops und Präsenzen auf diversen Grafikplattformen wie Society6.com oder art-cover.eu bleibt einfach neben der Bestellabwicklung, Buchhaltung, Beantwortung von Kunden- und Presseanfragen viel zu wenig Zeit für das Herstellen der Artikel. Da müssen die Onlineshops bestückt und Ladengeschäfte mit Ware beliefert werden. Märkte brauchen Vorbereitung, zwischendrin soll ja auch mal Social-Media-mäßig was passieren und der Blog kommt meistens viel zu kurz. Ausserdem nehme ich ja ab und zu auch ganz wunderbare Grafik-Aufträge an oder mache Foto-Shoots, die mir total viel Freude machen. Neue Produkte zu entwickeln, zu fotografieren und online zu stellen ist da erst recht ein bisschen utopisch geworden und ich bin froh, wenn ich bestimmte Arbeitsschritte auslagern kann.

Das Problem ist, dass man sich total “zerfasert”. Es gibt so wahnsinnig viele Dinge zu tun, dass man immer irgendetwas anfängt und dann nicht zuende bringt. Jedenfalls geht es mir so (vielleicht kriegt ihr das ja besser hin). Also muss ein Plan her, damit ich in Zukunft besser arbeiten kann, die Routineaufgaben schneller erledigt sind und ich mehr Zeit habe, mich um die wichtigen und schönen Dinge zu kümmern: Entdecken, Erfinden und Entwickeln.

Mein erster Schritt ist ein Zeitplan, um den es dann beim nächsten Mal gehen soll.

Hat jemand sonst noch gute Tipps? Wie isn das bei euch so? Fühlt ihr euch noch wohl als Teil der “Kreativwirtschaft”? Auf welcher Plattform treibt ihr euch am liebsten rum?

Ich würd mich über eure Erfahrungen sehr freuen – vielleicht bin ich ja nicht die einzige, die ab und zu den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht…

Ahoi!

– Stine –

 

 

Edit: Auf der “snw?”-Facebookseite haben sich schon ein paar Tipps und Erfahrungen gesammelt. Wer mag, kann also dort vorbeischauen und sehen, wie es anderen so ergeht.

 

 

 

 

 

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