5 Buchtipps für starke Mädchen (bis 5 Jahre)

Mit ihren 4 Jahren nimmt unsere Lütte gerade zum ersten Mal den Unterschied zwischen Jungs und Mädchen wahr und gerade im Kindergarten kommen von anderen Kindern ganz oft Sprüche wie “Sowas macht ein Mädchen nicht” oder “Das ist aber eine Jungs-Farbe” oder so.

Ich glaube nicht, dass wir als Eltern sonderlich darauf geachtet haben, “gender-neutral” zu erziehen und wenn ich so recht überlege, sagen wir schon recht häufig “Sei vorsichtig” oder “Pass bitte auf”. Ob wir das bei einem Jungen genauso häufig oder seltener sagen würden, kann ich natürlich nicht beurteilen. Aber wir bemühen uns darum, sie auch einfach mal machen zu lassen, damit sie ihre eigenen Erfahrungen machen kann. Gemüseschnippeln mit semi-scharfem Messer gehört da genauso dazu wie Felsenklettern und Vom-Tisch-Runterspringen.

Trotzdem: Dieses unbeaufsichtigt einfach mal durch die Gegend ziehen wie ich es aus meiner Kindheit kenne, gibt es bei uns kaum. Und Untersuchungen zeigen, dass Mädchen sehr viel weniger als Jungs ermutigt werden, Risiken einzugehen oder sich etwas zu trauen. Vor einiger Zeit hatte ich durch Zufall einen TED Talk mit Caroline Paul gesehen, den ich total spannend fand. Darin beschreibt sie, wie wenig wir unsere Mädchen zum Mutig-Sein erziehen und dass wir ihnen schon im Kindesalter quasi die Abenteuerlust “abtrainieren”. An einigen Punkten habe ich mich ehrlich gesagt ein wenig ertappt gefühlt und seitdem lasse ich unserer Lütten noch ein wenig mehr Freiräume.

Aber manchmal habe ich das Gefühl, dass wir als Eltern gegen eine Flut von rosa Prinzessinnen- und Einhörn-Plüsch ankämpfen wie Don Quichote gegen die Windmühlen. Für die Industrie scheint ein Mädchen ausschließlich in Rosa- und Lila-Tönen gekleidet und in Glitzer getaucht durch die Welt gehen zu müssen. Und der Gruppenzwang im Kindergarten führt dazu, dass Mädchen in Grün genauso seltsam angeschaut werden wie Jungs, die Lila cool finden. Wenn in Kindergarten-Freundebüchern als Berufswunsch bei den Mädels zu 99% entweder “Prinzessin” oder “Tänzerin” steht, während die Jungs allesamt Polizisten und Feuerwehrmänner werden wollen, dann hat das für mich einen irgendwie seltsamen Beigeschmack.

Umso wichtiger finde ich, dass es im Alltag um Kinder herum Menschen gibt, die sich solchen Rollenklischees entziehen. Und fast genauso wichtig denke ich sind Vorbilder in der Kinderliteratur. Aber da fängt irgendwie das Problem an – denn in den meisten Kinderbüchern spielen Jungs die Hauptrolle und die Mädels dürfen schmückendes Beiwerk oder “Damsel in Distress” sein. Dazu gibt es eine Studie des Dartmouth College, über die der “Guardian” schon 2011 berichtete.

Seitdem hat sich zwar schon einiges getan, aber Bücher über starke Mädchen und sensible Jungs, über berufstätige Mütter und kochende Väter gibt es glaube ich einfach immer noch viel zu wenige. Oder man findet sie schlichtweg nicht. Dazu kommt noch, dass man seinen Kindern oft die Bücher vorliest, die man selber als Kind gelesen hat. Und die sind oft nicht besonders modern, was die Stereotypen angeht.

Ich habe mich mal auf die Suche nach Kinderbüchern gemacht, die für Kindergartenkinder geeignet sind und die nicht im “typisch Mädchen – typisch Jungs”-Klischee kleben bleiben. Wie immer verlinke ich der Einfachheit halber für die Buchtipps zu Amazon und möchte auch nochmal darauf hinweisen, dass ich (falls ihr die Bücher über diesen Link kaufen solltet) eine kleine Provision bekomme. Ihr solltet aber unbedingt auch den Buchladen bei euch vor Ort unterstützen, wenn es irgendwie geht.

 

Der Klassiker: Pippi Langstrumpf

von Astrid Lindgren

Das stärkste Mädchen der Welt hebt nicht nur sein Pferd vom Balkon und schläft mit den Füßen auf dem Kopfkissen, sondern kommt auch wunderbar ohne Eltern zurecht. Da können Piraten, Einbrecher und Lehrerinnen einpacken. “Sei frech und wild und wunderbar” ist eine immer noch tolle Botschaft für kleine Mädchen. Und kleine Jungs natürlich auch.
Wir lesen hier die auseinanderfallenden Bücher aus den 60er Jahren mit Ingrid Vang Nymans Illustrationen – ich persönlich finde aber die neu von Katrin Engelking illustrierten Ausgaben fast schöner als die alten. Wir haben das von ihr bebilderte “Pippi findet einen Spunk” und die Zeichnungen sind ganz zauberhaft. Egal, ob Original oder Neuausgabe: Pippi darf in keinem Bücherregal fehlen, denke ich.

Das Mutmachbuch: Rosi in der Geisterbahn

von Philip Wächter

Rosi ist ein kleines Hasenmädchen und träumt jede Nacht von ganz schrecklichen Monstern. Dann denkt sie sich “So kann das nicht weitergehen” und sucht sich professionelle Hilfe. Mit einem Ratgeberbuch trainiert sie, bis sie alle Tricks und Kniffe im Umgang mit Monstern gelernt hat. So ausgerüstet stellt sie sich ihren Ängsten, besiegt die Monster und belohnt sich selbst mit einer schönen Tasse Tee und viel Eis. Rosi wurde hier schon oft und viel gelesen und ist nicht nur wunderschön illustriert, sondern auch charmant geschrieben.

 

Der Rollentausch: Die Prinzessin in der Tüte

von Robert Munsch

Auch nicht mehr ganz neu (das Buch erschien 1980 das erste Mal), aber immer noch schön: Hier rettet nicht der Prinz die Prinzessin, sondern umgekehrt. Und die kommt nicht im rosa-gerüschten Glitzerkleid, sondern in einer Papiertüte. Wunderbar. Zuerst wollte ist fast das englische Original kaufen, weil ich dort die Zeichnungen etwas weniger verniedlicht á la Prinzessin Lillifee fand, aber im Nachhinein bin ich froh um die deutsche Ausgabe mit Sabine Büchners witzigen Illustrationen.

 

Das Nachdenkliche: Wild

von Emily Hughes

Ein kleines Mädchen wird von den Tieren im Wald aufgezogen und dann plötzlich in die Zivilisation gebracht. Die kann natürlich so gar nichts mit diesem kleinen Energiebündel ohne “Manieren” anfangen. Und auch das Mädchen ist von der neuen Umgebung ziemlich frustriert. Ich fand vor allem die Zeichnungen toll – der Text ist nur sehr knapp gehalten. Wir haben das Buch in unserer Bücherei gefunden und da haben mich die Illustrationen total fasziniert. Wir werden zwar auch immer sehr gut von unserer Bibliothekarin beraten, aber das hier war ein echter Zufallsfund. Vielleicht ist einigen der “Natur-Kultur-Kampf” hier ein bisschen zu sehr schwarz-weiss gezeichnet und die Bilder sind auch manchmal ziemlich düster. Aber dass das Buch gerade nicht so klassisch daherkommt, ist für mich ein echter Pluspunkt.

 

Das Unkonventionelle: Schwein sein

von Christian Duda

Coco will nicht mehr alleine mit ihren Eltern sein und wünscht sich ein Haustier. Ein Schwein. So kommt Lotte in die Wohnung der Familie und wird zu Cocos Spielkameradin. Aber Lotte wird größer und passt zuerst nicht mehr in Cocos Zimmer und schließlich auch nicht mehr ins Bad. Also heisst es: “Lotte muss weg.” Aber auf dem Bauernhof ist es eklig matschig und keines der Tiere spielt mit Lotte Tee-Trinken. Da muss sie ihren eigenen Weg finden und ein neues Zuhause suchen.
Mit diesem Buch muss man sich erst einmal anfreunden – die Geschichte ist wunderbar-rotzig von Julia Friese illustriert, ist aber natürlich kein simples “Hei-ti-tei”-Happy-End. Ich fands aber klasse, dass sowohl die menschliche als auch die “tierische” Hauptfigur weiblich sind. Das gibt es echt mal nicht so oft. Und wer nicht nur glattgebügelte Zeichnungen und Geschichten mag, der kann hier Verantwortung gegenüber anderen und den Verzicht auf eigene Wünsche lernen.

 

So. Das waren meine Buchtipps für starke Mädchen. Auf meiner Wunschliste steht noch “Nelly und die abenteuerliche Suche nach Kapitän Wellenflieger” – das konnten wir also bislang noch nicht anschauen. Aber die Rezensionen klingen ja schonmal ganz vielversprechend. Habt ihr noch andere Tipps? Dann würde ich mich sehr über einen Kommentar freuen!

Ahoi!

 

 – Stine –

 

 

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