Minimalismus Literatur & Filme Teil 02

Wie schon im ersten Teil angekündigt, kommt hier eine kleine Erweiterung meiner Lese- und TV-Tipps zum Thema Minimalismus und Achtsamkeit.
Dieses Mal sind ein paar auf Minimalismus “spezialisierte” Bücher dabei, aber auch etwas allgemeiner gehaltene Lese-Tipps, die eben nicht nur Sachbuch sind, sondern auch Belletristik. Wie beim letzten Mal verlinke ich bei Büchern rüber zu amazon, was aber natürlich nicht heisst, dass ihr nicht euren Lieblings-Buchhändler unterstützen solltet.

Es geht also direkt mal weiter:

 

“The Big Tiny: A Built-It-Myself Memoir”

von Dee Williams
Taschenbuch 12.19 € (englische Version)
Kindle Edition 10.93 €

Manchmal sind es die großen Einschnitte im Leben, die einem den Mut zur Veränderung geben. Bei Dee Williams war es eine Nahtoderfahrung, die zu ihrer Entscheidung führte, sich ganz bewusst auf einen kleinen Lebensraum zu beschränken. In “The big Tiny” erzählt sie warum und wie genau sie ihr Mini-Haus im Garten von Freunden gebaut hat und wie sie ihre Habseligkeiten reduzieren musste, damit alles ins Haus passte. Die Erfahrung, dass man selbst auf kleinstem Raum eigentlich alles hat, was man braucht, hat Williams geprägt. Und dass es eben die Momente sind, die zählen, nicht die Dinge.

Wer lieber Dee Williams dabei zuhören und -schauen mag, wie sie über ihr Buch und ihr Leben erzählt, der kann hier bei YouTube reinschauen. Und es gibt auch einen TEDx Talk von ihr, der unbedingt sehenswert ist.

Ich finde ja die “Tiny House Bewegung” total super. In Amerika hat die Immobilienkrise ein Stück weit dazu beigetragen, dass immer mehr Menschen ihr Haus ohne Kredit und Schulden selber bauen möchten. Sich unabhängig zu machen von den Finanzmärkten, sich bewusst einzuschränken und dabei seine Lebensqualität noch zu steigern, ist eine wie ich finde tolle Haltung. Ich selbst bin noch seeeeeeehr weit entfernt von dieser Lebenseinstellung und genieße jede Quadratmeter Wohnfläche, aber es ist trotzdem faszinierend.

Wer noch mehr Inspiration mag, kann auch auf Pinterest bei mir vorbeischauen. Dort habe ich ein ganzes Board voll mit Tiny Houses und Container Häusern. Und es kommen ständig neue hinzu.

 

 

“Zero Waste Home: The Ultimate Guide to Simplifying Your Life”

von Bea Johnson
Taschenbuch 10.99 € (englische Version)
Taschenbuch 19.90 € (deutsche Version)
Kindle Edition 9.89 €

Wenn die Jahresmenge Abfall eines Familienhaushaltes in ein Marmeladenglas passt, dann ist das irgendwie ganz schön cool. Bea Johnson hat zuerst auf ihrem Blog “Zero Waste Home” und auch in ihren Büchern bewiesen, dass es machbar ist. Der Schlüssel dazu sind ihre “Fünf Rs”: Refuse, Reduce, Reuse, Recycle and Rot (Kompostiere). Klingt erstmal nicht so schwer, kann aber natürlich im Alltag manchmal nicht so nach Lehrbuch klappen. Wie das beim Minimalismus eben so ist.

Bea Johnson gibt aber jede Menge Tipps, wie man selbst auch weniger Müll produzieren kann. Und da ist dann eigentlich für jeden etwas dabei, was man leicht und schnell umsetzen kann. Vom Rezept für selbst gemachtes Shampoo bis zu alten Hausmitteln für’s Putzen. Man muss also nicht direkt bei “Null Müll” einsteigen, sondern kann sich Stück für Stück vortasten und schauen, was für einen selbst machbar ist.

Hauptsache, man fängt an. Denn jeder vermiedene Müll hilft.

 

 

Das Kleiderschrank-Projekt: Systematisch zum eigenen Stil und zu bewusstem Modekonsum

von Anuschka Rees
gebundene Ausgabe 28.00 €
Taschenbuch 17.99 € (englische Version)
Kindle Edition 12.99 € (englische Version)

In jedem Kleiderschrank schlummern diese eigentlich total schönen Teile, die man dann aber irgendwie doch noch nie angezogen hat. Oder Klamöttchen, in die man früher mal reinpasste, aber inzwischen nicht mehr so wirklich. Aber vielleicht irgendwann ja nochmal. Also besser aufbewahren… Oder halt auch nicht. Ich gebe ja sehr gerne zu, dass ich immer noch Hoodies trage, die ich mir kurz nach dem Abi gekauft habe. Und ich werde irgendwie das Gefühl nicht los, dass selbst bei H&M die Klamotten früher besser verarbeitet waren. Denn wenn ich mir heute was kaufe, ist das nach spätestens ein paar Monaten ganz schön verschlissen.

“Fast Fashion” ist das Stichwort: Die großen Modeketten bringen fast wöchentlich neue Kollektionen auf den Markt. Damit soll man sich dann schon nach spätestens zwei Monaten “out” fühlen und sich neue Klamotten kaufen wollen. Döh. Eher kein Minimalismus, würd ich mal sagen. Die Sachen werden natürlich nicht mehr auf Haltbarkeit produziert, sondern möglichst günstig. Und das heisst oft, dass Kunststoff-Fasern eingesetzt werden, die sich dann auch noch im Waschmaschinen-Abwasser als Mikroplastik in die Weltmeere spülen. Was das für Meeres-Organismen und für uns Menschen bedeutet, ist noch gar nicht klar. Und das nur, weil wir uns möglichst schick vorkommen sollen.

Anuschka Rees hat mich da in meiner eigenen Auffassung total unterstützt, dass man lieber weniger Klamotten haben sollte, die aber gut passen und hochwertig sind. Letztendlich trägt man sowieso nur dieselben 10-15 Lieblingsteile. Also mal kräftig aussortieren, bitte. Die Tipps im “Kleiderschrank-Projekt” können dabei ganz prima helfen. Ganz nebenbei bekommt man auch noch ein besseres Gespür für seinen eigenen Stil und kann mit diesem Wissen “im Gepäck” wiederum viel bewusster und effizienter einkaufen.

Bei mir landen inzwischen meine alten Klamöttchen in der Stoffkiste und es werden viele neue Kleider, Shirts, Hosen etc. für unsere Lütte draus genäht. Selbst alte Frottee-Bettlaken eignen sich total super für Schlafanzüge und Kuschelhosen. Mein Schrank ist zwar immer noch zu voll, aber ich gehe ihn Stück für Stück durch und sortiere immer wieder aus. Und neue Klamotten kommen mir nur selten ins Haus – stattdessen nehme ich die Schnitte meiner Lieblingsteile ab und nähe sie mir selber neu nach. Ohne Kunstfasern natürlich.

 

 

Chef’s Table

Netflix 2015-17

Hier gehts nicht unbedingt um Minimalismus, aber durchaus um bewussten Konsum: In inzwischen drei Staffeln werden Spitzenköche bei ihrer Arbeit begleitet. Und in beeindruckenden Bildern werden nicht nur die kreativen Konzepte gezeigt, sondern die Sorgfalt und Achtsamkeit gegenüber Lebensmitteln. Gerade in der neuesten Staffel geht es zum Teil nicht mehr nur um total abgefahrene Menu-Kreationen, sondern um die Konzentration auf das Einfache, Gute. Schwer beeindruckt haben mich vor allem die Folgen über Nancy Silverton (Staffel 3, Folge 3) und ihre Faszination für Brot. Und natürlich die erste Folge der dritten Staffel über die buddhistische Nonne Jeong Kwan. Welchen Einfluss Spitzenköche auf ein allgemeines Ernährungsbewusstsein haben können, zeigt ausserdem das Beispiel Dan Barber (Staffel 1, Folge 2). Er kämpft seit langem für einen Wandel in der Ernährungsindustrie und eine stärker auf Nachhaltigkeit und Regionalität konzentrierte Küche.

Eine wie ich finde total lohnenswerte Doku-Reihe, die Lust auf gutes Essen und bewusst gewählte Lebensmittel macht. Und dabei auch noch verdammt gut aussieht.

 

 

Das ist das Leben! C’est la Vie

von Françoise Héritier
gebundene Ausgabe 10.00 €
Kindle Edition 8.99 € 

Ich habe dieses schmale Bändchen geschenkt bekommen und fand es ganz wunderbar: Eine unzusammenhängede Liste mit kleinen Details, Momenten, Gerüchen und Situationen, die das Leben lebenswert machen. Eigentlich war das Buch kein Buch, sondern ein Brief. Ein Freund schreibt aus dem Urlaub eine Karte, dass er sich kurz mal “herausgestohlen” hat aus seinem Leben. Und Françoise Héritier will ihm antworten und fragt, was das denn sei, das Leben. Und dann kommen ein Buch voller Erfahrungen und Eindrücke, die ihr ganz persönliches Leben bestimmt haben.

Wenn ich bei Amazon so schaue, gibt es viele, die das Buch total doof fanden. Langweilig und nicht nachvollziehbar. Ich fand es wunderschön und habe viele Male aufgehört zu lesen, um die ganzen Eindrücke erst einmal “sacken zu lassen”. Immer mal wieder schaue ich hinein, lese eine Seite und merke, dass ich im Alltag wieder mehr auf Details achte. Und dass ich an vielen Stellen meine eigenen Erfahrungen wiederfinde, auch wenn mich mit einer knapp 45 Jahre älteren Französin jetzt ja nicht soooo viel verbindet.

Normalerweise empfehle ich bei Büchern ja oft das Ebook. Einfach, weil es für mich eben auch Minimalismus ist, sein riesen Bücherregal durch ein kleines, leichtes Gerät auszutauschen. Da kann man dann seine komplette Sammlung einfach in die Handtasche stecken. Aber es gibt so Momente, da sollte man das “richtige” Buch kaufen. “C’est la Vie” ist so ein Moment. Genau wie die Bücher von Iris Wolff zum Beispiel. Die sind einfach so schön produziert, dass man sie gern in der Hand hat. Und es sind Bücher, die man zwischendrin liebendgern einmal mal an irgendeiner Seite aufschlägt und drin liest. Das geht mit Kindle und Co. natürlich nicht.

Also, ich finde das Buch klasse. Und wer es doof findet, muss sich halt einfach “C’est la vie!” denken und mit seinem eigenen Leben weitermachen.

 

 

Das waren meine nächsten fünf Minimalismus Tipps. Wer lieber nicht so viel lesen mag, der findet auf YouTube und Netflix reichlich “Augenfutter”.
Und viele der Bücher gibt es auch als Hörbuch-Versionen als MP3 oder auf CD.

 

Viel Spaß damit!

 

 – Stine –

 

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