Hochdruck für Anfänger Teil 02: Durchblick

 

Wie vermutet sind die Overheadfolien eingetrudelt. Die brauche ich ja (wie in Teil 01 beschrieben), um meine Photopolymerplatten zu belichten, sobald die bei mir ankommen. Ich hab mir also mal eine Datei angelegt, auf die ich meine Vorlagen digital draufgesetzt habe. Am Ende werd ich die Photopolymerplatten (das ist jedenfalls im Moment der Plan) auseinanderschneiden und entweder auf Metallplatten oder auf Plexiglas an der richtigen Stelle montieren. Daher kann ich meine Vorlagen eng zusammensetzen und spare eine Menge “Plattenplatz” und damit natürlich letztendlich Geld. Ausserdem kann ich die einmal montierten Motive einfach auf dem Untergrund drauf lassen und habe damit meine Druckplatten immer ohne großen Aufwand und fertig ausgerichtet verfügbar. Wird sich zeigen, ob das kostentechnisch Sinn macht oder auch eventuell zuviel Platz wegnimmt, weil man die Metall- bzw. Plexiglasplatten ja  irgendwo lagern muss. Ausserden sollten die belichteten Photopolymerplatten wohl in Druckverschlussbeuteln gelagert werden, damit sie nicht austrocknen und brüchig werden – vielleicht ist es also doch sinnvoller, die einzelnen Motive un-montiert zu lagern, aber das wird sich zeigen…

Grundsätzlich macht die Folie schonmal einen echt guten Eindruck – die Sorte, die ich mir jetzt ausgesucht hab, ist von der Marke “Label Ocean” und hat bei Amazon für 100 Bögen A4 so um die 18 Euro gekostet (inklusive Versand). Im Vergleich zu den ja schon im ersten Teil genannten Spezialfolien von Gronal oder AGFA mit mindestens 50 Euro für 100 Blatt ist die Folie damit ja ein echtes Schnäppchen und ließ sich ohne Probleme mit meinem Inkjet-Drucker bedrucken. Sie soll angeblich auch für Laserdrucker geeignet sein, aber das konnte ich bislang ja noch nicht testen. Man muss unbedingt beachten, dass man nicht die falsche Seite bedruckt. Auf der Packung ist aber ein Hinweis, welche Seite bedruckbar ist und wenn man die Folie aus der Packung direkt in den Drucker legt, kann eigentlich nix schieflaufen.

Weil ja alle Bereiche, die später gedruckt werden sollen, auf der Folie lichtdurchlässig sein müssen, muss man sich quasi ein Negativ seiner ursprünglichen Motive anlegen. Das kostet zwar jede Menge Tinte, aber wenn man die Motive platzsparend anlegt, hält sich der Verbrauch in Grenzen. Ausserdem braucht man ja kein teures Spezial-Equipment und sobald man einmal seine Druckvorlage erstellt hat, bleiben die Kosten ja auch überschaubar. Beim Drucken unbedingt die bei eurem Drucker höchstmögliche Qualität auswählen – als Medium hatte ich “Foto-Glanzpapier” angegeben und bin mit dem Ergebnis schonmal echt zufrieden.

Im ersten Durchgang hatte ich das Schwarz ganz simpel mit 100% angelegt (mein CMYK-Farbwert war also 0 0 0 100) – viel besser funktionierts aber, wenn man stattdessen auch noch die anderen Farben mit anlegt, weil der Drucker dann durch den satteren Farbauftrag ein sehr viel dichteres Schwarz druckt. Ich hatte mein Schwarz also mal mit 50 50 50 100 angelegt und schon war die Folie sehr viel opaker (also lichtundurchlässiger) als vorher, ohne dass soviel Tinte auf der Folie stand, dass sie verlaufen wäre oder die feinen Details nicht mehr deutlich waren. Wenn alle Stricke reißen und die Opazität der Folie immer noch nicht ausreicht, dann kann man auch zwei Exemplare der Folien drucken und diese gaaaaaanz sorgfältig ausrichten und miteinander verkleben.

Auf jeden Fall muss ich meine Folien in Zukunft direkt nach dem Trocknen in Hüllen legen, weil die Staub irgendwie magisch anziehen und man die Flusen unheimlich schwer von der Folie wieder abbekommt. Keine Ahnung, ob das fürs Belichten besonders tragisch ist, aber wenn mans vermeiden kann, sollte man die wohl am besten möglichst staubfrei halten.

Ich werd langsam schon ganz hibbelig, weil ichs kaum abwarten kann, endlich die Platten zu belichten und einen ersten Probedruck zu machen. Bin sehr gespannt, wann die Platten ankommen – auf dem Weg sind sie jedenfalls schon einmal. Papier, Farbe und Druckfilz sind nach ihrer Odysee durch halb Hessen endlich ins Rheinland “umgeleitet” worden und angekommen – besonders hübsch fand ich den riiiiiesen roten Aufkleber auf dem Karton, auf dem in großer Schrift “IRRLÄUFER” stand. Irgendwie fand ich das sehr niedlich…

Beim nächsten Mal kann ich dann hoffentlich schon etwas über das Platten-Belichten sagen. Bis bald!

– Stine –

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  • Bin bei einer Recherche über Hochdruck auf dieses spannende Experiment gestossen und frage mich nun natürlich (vor Neugierde platzend) ob das Experiment gelungen ist…

  • huhu liebe sonja! ich hab bislang nur eine platte belichten können. das hat erstmal ganz gut geklappt – leider sind mir die vorlagen dann nach 3-4 “blinddrucken” (also ohne tinte) zerbrochen, weil ich wahrscheinlich den druck der presse zu hoch eingestellt hatte oder aber die belichtungszeit zu lang war. für weitere experimente hatte ich bislang leider keine zeit… :( ich hoffe, ich komme bald mal dazu, darüber noch weiter zu berichten. falls du selber noch erfahrungen hast, würd ich mich natürlich dolle freuen, davon zu hören!
    liebste grüße!

    stine