Brettchen vorm Kopp | Tablet Weaving

Als ich in einer kleinen Sonderausstellung gesehen hatte, dass Karin Larsson (Frau des berühmten schwedischen Malers Carl Larsson) ihre Bordüren mit eigenen Entwürfen selbst gewebt hat, musste ich sofort nachschauen, wie so etwas geht. Gut, Frau Larsson hatte einen ausgewachsenen Webstuhl in ihrem Wohnzimmer stehen und ich hab nur einen kaputten Schulwebrahmen aus den 80ern. Die Lösung lautet daher: Brettchenweben.

Eine Technik, die bislang völlig an mir vorbeigegangen ist und deren Materialien man sich größtenteils selbst bauen kann. Dafür braucht man kleine gelochte Kärtchen (oder eben Brettchen), durch die das Garn wie auf einem Webstuhl als Kettfäden durchgezogen werden. Je nach Anordnung und Farbe der Fäden entsteht ein Muster, das man durch Drehen der Brettchen dann noch zusätzlich beeinflussen kann. Klingt komisch, ist aber so. Wer sich über diese ur-ur-ur-alte Technik weiter informieren möchte, kann das ganz ausführlich bei “Flinkhand” tun – dort gibts auch die Anleitung für ein erstes einfaches Bändchen, nach der ich mich gerichtet habe.

Als erstes braucht man also diese kleinen Brettchen, die man ganz leicht selbst herstellen kann. Wenn man zum Basteln erst einmal basteln muss, dann find ich das prima. Basteln hoch zwei quasi.

Zu kaufen gibts Brettchen vor allem aus Holz – zum Selbermachen eignet sich allerdings besser eine Version aus Pappe oder Papier. Dabei sollte das Papier recht stabil und möglichst ein wenig beschichtet sein. Klassischerweise werden Kartenspiele oder Memory-Spiele dafür benutzt. Ich habe einen Satz von meinen Promo-Postkarten genommen, die ich mal hab drucken lassen und die es nur im 1000er Pack gab. Von denen hab ich also noch eine Menge übrig.

Als erstes schneidet man aus diesen Karten 20 Quadrate im Format 6×6 cm. Die Anzahl der Karten bestimmt am Ende die Breite des Bandes – je mehr Kärtchen (und damit Kettfäden), desto breiter wird logischerweise das Webstück. 20 ist eine ganz gute Anfangsmenge – das Bändchen, was ich dann am Ende gewebt habe (s.u.) braucht zwar nur 12 Kärtchen, aber man möchte ja vielleicht auch mal breitere Borten weben…

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When visiting a small exibition about Karin Larsson (wife of famous Swedish painter Carl Larsson), I saw that she had produced her own ribbons. Home again I immediately started searching for tutorials on how to do that and found a technique that I had never heard of before, although it’s really, really old: Tablet Weaving.  In order to weave in this way you don’t need a fancy loom, only a set of cards that you can produce yourself: First, cut 20 6x6cm squares out of a sturdy paper that ideally has a smooth surface. You can use an old deck of cards for example. I took some old postcards.

 

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Als nächstes freut man sich, dass man einen Ecklocher hat, denn ohne den würde der nächste Arbeitsschritt um einiges mühsamer werden: Da die Kärtchen im Fadenwirrwarr permanent gedreht werden, sind abgerundete Ecken ein absolutes “Muss”. Wenn man Spielkärtchen verwendet, kann man daher die Kärtchen so zuschneiden, dass man die bereits vom Hersteller abgerundeten Ecken mit benutzen kann – dann muss man nur noch die andere Seite “stutzen”. Wenn man eckige Kärtchen hat (so wie ich), dann rundet man die eben selbst ab.

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Next it’s time to round the corners – that is necessary, because in the weaving process, these cards get turned a lot. Pointy edges would make this a lot harder. If you have a corner punch, it’s time to dust that off now. If you don’t – well, then it’s time to sit down and round those corners manually…

 

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Im nächsten Schritt müssen wir die Löcher in die Kärtchen stanzen. Also hab ich mir als erstes ein Kärtchen als “Schablone” vorbereitet:  Dafür habe ich mit dem Geodreieck jeweils 1cm vom Rand aus Linien gezogen. Dort, wo sie sich berühren, wird dann jeweils ein Loch gesetzt.  Je präsizer dabei die Löcher in den Kärtchen sitzen, desto besser.

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We now need to punch holes into the cards – that’s where the threads will be guided through while weaving. The more exact the holes are, the better. I marked lines 1cm from the edges – at the meeting points in the corner I punched the holes with a hole punch. This prepared card was my template for the rest of the cards.

 

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Wieder ist klar im Vorteil, wer das dementsprechende Werkzeug hat. Mit einem normalen Locher funktioniert das auch, ist allerdings ein wenig mühsamer und nicht ganz so präzise – ich war froh, dass ich meinen kleine Lochzange da hatte…

 

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Jetzt fehlen eigentlich nur noch die Markierungen – nicht alle halten die für notwendig, aber ich fand sie äußerst hilfreich. Gerade Anfänger können so gut den Überblick behalten, in welcher Position sich die Brettchen später beim Weben befinden müssen. Wer mag, kann die einfach mit einem wasserfesten Stift auf die Kärtchen schreiben. Ich fands schöner, die zu stempeln. Die Anordnung der Buchstaben ist die, die üblich ist – also am besten nicht verändern, da viele im Internet oder in Büchern auffindbare Muster sich an dieser Anordnung orientieren und man sonst ordentlich in den Tüddel kommen kann.

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Now the only thing missing is the labeling – it’s not absolutely necessary, but I found the letters to be awfully helpful when weaving for the first time, because they offer you an orientation while setting the cards up and during the weaving process. You can simply write the letters with a felt tip pen (notice the arrangement of the letters!), but I liked the stamps a lot.

 

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So, das wars dann auch schon. Ab jetzt kann gewebt werden. Wie gesagt: bei “Flinkhand” gibts die Anleitung für ein Einzugsmuster, die ich auch verwendet habe. Nicht abschrecken lassen durch all die erst einmal unbekannten Wörter und das scheinbar sinnlose Anordnen der Brettchen. Wenn man der Anleitung einfach Schritt für Schritt folgt und sich ein wenig Zeit nimmt, klappt das alles.

Gestern abend habe ich dann mein erstes Webband mit 12 von diesen Brettchen produziert. *Tadaa*

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That’s it! You’re ready to weave. Well, almost. But at least you have your set of cards ready. Here’s my first Ribbon, made out of 12 cards and a pattern/tutorial I found at “Flinkhand”.

 

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