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Hochdruck für Anfänger Teil 02: Durchblick

Wednesday, September 21st, 2011

letterpress_folie

Wie vermutet sind die Overheadfolien eingetrudelt. Die brauche ich ja (wie in Teil 01 beschrieben), um meine Photopolymerplatten zu belichten, sobald die bei mir ankommen. Ich hab mir also mal eine Datei angelegt, auf die ich meine Vorlagen digital draufgesetzt habe. Am Ende werd ich die Photopolymerplatten (das ist jedenfalls im Moment der Plan) auseinanderschneiden und entweder auf Metallplatten oder auf Plexiglas an der richtigen Stelle montieren. Daher kann ich meine Vorlagen eng zusammensetzen und spare eine Menge “Plattenplatz” und damit natürlich letztendlich Geld. Ausserdem kann ich die einmal montierten Motive einfach auf dem Untergrund drauf lassen und habe damit meine Druckplatten immer ohne großen Aufwand und fertig ausgerichtet verfügbar. Wird sich zeigen, ob das kostentechnisch Sinn macht oder auch eventuell zuviel Platz wegnimmt, weil man die Metall- bzw. Plexiglasplatten ja  irgendwo lagern muss. Ausserden sollten die belichteten Photopolymerplatten wohl in Druckverschlussbeuteln gelagert werden, damit sie nicht austrocknen und brüchig werden – vielleicht ist es also doch sinnvoller, die einzelnen Motive un-montiert zu lagern, aber das wird sich zeigen…

Grundsätzlich macht die Folie schonmal einen echt guten Eindruck – die Sorte, die ich mir jetzt ausgesucht hab, ist von der Marke “Label Ocean” und hat bei Amazon für 100 Bögen A4 so um die 18 Euro gekostet (inklusive Versand). Im Vergleich zu den ja schon im ersten Teil genannten Spezialfolien von Gronal oder AGFA mit mindestens 50 Euro für 100 Blatt ist die Folie damit ja ein echtes Schnäppchen und ließ sich ohne Probleme mit meinem Inkjet-Drucker bedrucken. Sie soll angeblich auch für Laserdrucker geeignet sein, aber das konnte ich bislang ja noch nicht testen. Man muss unbedingt beachten, dass man nicht die falsche Seite bedruckt. Auf der Packung ist aber ein Hinweis, welche Seite bedruckbar ist und wenn man die Folie aus der Packung direkt in den Drucker legt, kann eigentlich nix schieflaufen.

Weil ja alle Bereiche, die später gedruckt werden sollen, auf der Folie lichtdurchlässig sein müssen, muss man sich quasi ein Negativ seiner ursprünglichen Motive anlegen. Das kostet zwar jede Menge Tinte, aber wenn man die Motive platzsparend anlegt, hält sich der Verbrauch in Grenzen. Ausserdem braucht man ja kein teures Spezial-Equipment und sobald man einmal seine Druckvorlage erstellt hat, bleiben die Kosten ja auch überschaubar. Beim Drucken unbedingt die bei eurem Drucker höchstmögliche Qualität auswählen – als Medium hatte ich “Foto-Glanzpapier” angegeben und bin mit dem Ergebnis schonmal echt zufrieden.

Im ersten Durchgang hatte ich das Schwarz ganz simpel mit 100% angelegt (mein CMYK-Farbwert war also 0 0 0 100) – viel besser funktionierts aber, wenn man stattdessen auch noch die anderen Farben mit anlegt, weil der Drucker dann durch den satteren Farbauftrag ein sehr viel dichteres Schwarz druckt. Ich hatte mein Schwarz also mal mit 50 50 50 100 angelegt und schon war die Folie sehr viel opaker (also lichtundurchlässiger) als vorher, ohne dass soviel Tinte auf der Folie stand, dass sie verlaufen wäre oder die feinen Details nicht mehr deutlich waren. Wenn alle Stricke reißen und die Opazität der Folie immer noch nicht ausreicht, dann kann man auch zwei Exemplare der Folien drucken und diese gaaaaaanz sorgfältig ausrichten und miteinander verkleben.

Auf jeden Fall muss ich meine Folien in Zukunft direkt nach dem Trocknen in Hüllen legen, weil die Staub irgendwie magisch anziehen und man die Flusen unheimlich schwer von der Folie wieder abbekommt. Keine Ahnung, ob das fürs Belichten besonders tragisch ist, aber wenn mans vermeiden kann, sollte man die wohl am besten möglichst staubfrei halten.

Ich werd langsam schon ganz hibbelig, weil ichs kaum abwarten kann, endlich die Platten zu belichten und einen ersten Probedruck zu machen. Bin sehr gespannt, wann die Platten ankommen – auf dem Weg sind sie jedenfalls schon einmal. Papier, Farbe und Druckfilz sind nach ihrer Odysee durch halb Hessen endlich ins Rheinland “umgeleitet” worden und angekommen – besonders hübsch fand ich den riiiiiesen roten Aufkleber auf dem Karton, auf dem in großer Schrift “IRRLÄUFER” stand. Irgendwie fand ich das sehr niedlich…

Beim nächsten Mal kann ich dann hoffentlich schon etwas über das Platten-Belichten sagen. Bis bald!

- Stine –

Hochdruck für Anfänger Teil 01: Willkommen im Nagelstudio!

Friday, September 9th, 2011

Erstmal vorweg: Keine Sorge, “snw?” läuft gut und ich musste mir keine alternative Einnahmequelle suchen und jetzt ein Nagelstudio eröffnen. Stattdessen sammele ich gerade alle Materialien zusammen, um in den Hochdruck einzusteigen und da gehört nunmal auch Nagelstudio-Equipment dazu. Klingt komisch, ist aber so. Ich hab nämlich das absolutunverschämte Glück gehabt, durch puren Zufall eine kleine alte Druckpresse als Dauerleihgabe zu bekommen (huhu, liebe Anne!). Da isse:

druckpresse

Die wurde auf dem Gepäckträger einmal quer durch die Bonner Altstadt geschoben und ich hatte zwei Tage lang Muskelkater in den Armen, weil ichs natürlich nicht abwarten konnte und ich sie unbedingt alleine in den 4. Stock tragen musste. Aber was tut man nicht alles. Nachdem mein Pappa den Gesundheitszustand der Presse per Ferndiagnose festgestellt hat und ich mit der Allzweckwaffe Ballistol alle Walzen wieder gängig machen konnte (die Presse hatte nämlich quasi ein bisschen Gicht und war auch ein wenig wackelig auf den Beinen), scheint jetzt alles soweit zu funktionieren.

Sobald das klar war, musste natürlich das Internet auf der Suche nach sämtlichen Materialien bemüht werden – damit ihr das nicht mehr machen müsst, gibts hier mal meine ersten Erkenntnisse. Heute Teil 1:

PHOTOPOLYMERPLATTEN UND ALLES, WAS DAZU GEHÖRT

Ich hab keine alten Bleilettern rumfliegen (schade eigentlich…) und Linoleumschnitzen fand ich schon in der Schule scheiße. Daher brauchte ich dringend eine Alternative, die möglichst für digitale Vorlagen geeignet ist. Da bin ich ziemlich schnell bei Photopolymerplatten gelandet. Das Prinzip ist recht einfach: Die Platten bestehen aus einem weichen, lichtempfindlichen Material. Legt man seine auf Transparentpapier gezeichnete oder gedruckte Vorlage auf die Platte und belichtet sie, härten die Teile aus, die dem Licht ausgesetzt waren. Die übrigen bleiben weich und lassen sich mit Wasser (und ein bisschen Soda oder Spüli)  auswaschen. Letztendlich sehr ähnlich wie im Siebdruck.

Jetzt muss man sich entscheiden: Entweder, man schickt seine Motive an Firmen wie zum Beispiel BoxCar und lässt sich die fertig ausbelichteten Platten zuschicken oder man wagt sich selbst an die Blanko-Platten ran. Natürlich sind fertige Platten total komfortabel und so, aber auch recht teuer und der Versand aus den USA dauert ein Weilchen.  Alles in allem ist man einfach nicht so flexibel und ich finds ausserdem schön, sowas selbst zu können. Wenns absolut nicht hinhauen sollte, greif’ ich dann aber glaub ich auf die Profis aus USA zurück. Ich hab ewig nach Photopolymerplatten gesucht und bin irgendwie nicht so richtig schlau geworden, wo man welche in kleineren Mengen bekommen kann. Astrid hat mir dann den Link zu “Polymetaal” geschickt, einem niederändischen Versand für Grafik- und Druckbedarf. Ein bisschen versteckt unter “Materialien für Radierung” finden sich die lichtempfindlichen Platten. Man darf sich von dem ein klein wenig nach 80er Jahre aussehendem Erscheinungsbild nicht abschrecken lassen – der Bestellprozess ist auch nciht voll-automatisch, was etwas ungewohnt ist, aber auch sehr sympathisch. Die Preise sind vollkommen in Ordnung und auch der Versand ist erstaunlich günstig. Man kann einfach überweisen oder per Paypal bezahlen und dann klappt alles ganz wunderbar.

Die Folie

Jetzt hat man also schonmal die Platten klargemacht, das ist ja schonmal was. Was fehlt ist eine ordentliche Lichtquelle mit UV-Licht und der Transparentfilm für das Motiv. Fangen wir mal mit der Folie an: Ich kenne das noch vom Siebdruck in der Uni, dass man sich einen sw-Laserdruck seines Motivs auf Overheadfolien oder Transparentpapier macht und damit dann sein Sieb belichtet. Weil Ausdrucke vom Laserdrucker häufig nicht ganz opak (also lichtundurchlässig) sind, kann man die Folie bzw. das Papier noch mit “Toner-Verdichtungsspray” einsprühen. Sich im Copyshop ne Folie ziehen zu lassen funktioniert (je nach Kopierer) auch ganz prima. Wichtig ist immer, dass das Schwarz echt deckend ist und man durch die schwarzen Bereiche der Folie nicht mehr durchgucken kann. Sonst dringt ja Licht auf die Platte und es härten Bereiche aus, die eigentlich ausgewaschen werden sollen. Da könnte das Motiv (gerade bei feinen Linien) “fuzzelig” werden oder nicht so schön deutlich herauskommen und das will man ja nicht.

Ich hab ja nun keinen Laserdrucker, sondern einen Canon-Tintenstrahldrucker. Daher versuche ich es jetzt mal mit handelsüblichen Inkjet-Overheadfolien für etwa 15 Euro (100 Blatt A4). Es gibt auch für den “High-End-Benutzer” ganz spezielle Folien wie z.B. den “Gronal Expofilm” oder den “AGFA SelectJet High Density Inkjet Film” bzw. den “AGFA CopyJet Film” – mit mindestens 50 Euro für 100 Blatt A4 find ich die Preise zum nur-mal-Testen aber ziemlich happig. Wenns also mit der normalen Folie klappt, bleib ich dabei. Ansonsten versuche ich glaub ich erstmal, ob ich hier in Bonn einen Copyshop finde, der mir evtl. einen Film herstellen kann. Also nicht nur ne normale Folie, sondern so was “ordentliches”. Wenn ein Copyshop Offsetdruck anbietet oder Schilder herstellen kann, besteht auf jeden Fall die Chance, dass die Material und Maschinen zur Filmproduktion da haben und wenn man lieb fragt, machen die einem ja vielleicht eine gute Vorlage. Wenn alle Stricke reißen kann man immer noch den Gronal-Film probieren… Ach ja: Für Epson-Drucker gibts auch spezielle Tinte, die für die Herstellung von Filmen entwickelt wurde (z.B. die “FastInk Filmmaker” Tinte). Fällt bei mir ja aber wegen meines Canon-Druckers flach.

Die UV-Lichtquelle

Kommen wir nun zum Nagelstudio: Fürs Belichten braucht man ja eine ordentliche Lichtquelle. Auf der Polymetaal-Seite wird in der kurzen Anleitung die Photopolymer-Platte einfach in die Sonne gelegt.* Andere Tutorials wie zum Beispiel dieses tolle hier empfehlen aber ganz klar eine berechenbare UV-Lichtquelle. Macht Sinn (finde ich), weil man mit einer vernünftigen Lampe schonmal eine Unsicherheit aus der Welt schaffen kann und sich einfach nicht aus Versehen eine Platte versaut, weil da mal ne Wolke vorbeikommt und einem die Belichtungszeit durcheinander bringt. Meine Suche hat mich zunächst zum Zoohandel geführt – gute  UV-Lampen finden sich vor allem beim Terrarien-Zubehör. Vielleicht hat ja auch der ein oder andere so was noch rumfliegen.** Mir waren die aber letztendlich zu teuer und ausserdem hat mich die Riesenauswahl an unterschiedlichen Lichtspektren total verunsichert. Letztendlich bin ich dann beim angesprochenen Nagelstudio-Bedarf gelandet:

uv-lampe

Gibt’s günstig bei Ebay, hat 4 Leuchtstoffröhren drin, die für ein gleichmäßiges Licht sorgen und für die man problemlos Ersatz bekommt, wenn mal was schwächeln sollte. Ausserdem sind die Teile sicherer als die Höhensonne von Omma, werden nicht unangenehm heiss (was die Platten wellen oder verbiegen könnte) und haben manchmal einen Timer, der vielleicht nützlich sein wird. Der Nachteil ist, dass man nur kleine Platten belichten kann. Aber das hab ich mal in Kauf genommen. Riesen-Motive wollte ich eh nicht drucken und schließlich kann man größere Sachen auch mit mehreren Platten zusammensetzen.

So, das war also Teil 1 meines kleinen Ausflugs in die Drucktechnik. Ich hab ja noch nix testen können, weil ich noch auf die meisten meiner Materialien warte. Morgen sollte eigentlich das Paket mit den Overheadfolien ankommen. Da kann ich dann also vielleicht schonmal berichten. Farben, Druckfilz und Papier sind erstmal wegen eines Computerfehlers beim Onlineversand schön an meine alte Marburger Adresse gegangen. Jippieh. Aber am spannendsten sind natürlich die Photopolymerplatten. Die kommen ja aus Holland, das dauert einen Moment länger.

Bin aber alles in allem recht optimistisch. Ich hab nämlich gestern per Zufall bei Etsy ein “Stampmaker”-Kit gefunden, das meiner “Eigenkreation” erstaunlich ähnlich sieht. Scheint also irgendwie zu funktionieren… Falls jemand von Euch noch Tipps hat oder Bezugsquellen weiss, wär das natürlich klasse, wenn ihr einen Kommentar hinterlassen würdet.

Ich halte Euch auf dem Laufenden!

- Stine –

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* Leider kann man nicht direkt dahin verlinken –  ihr müsst einfach unter “Materialien für Radierung -> Lichtempfindliche Platten und Filme -> Solarplate Photopolymerplatten -> Einführung in die Photopolymer-Druckplatten” klicken und dann bekommt ihr eine nette kleine Übersicht über den Druckprozess.

** Lasst aber nicht euren Gecko erfrieren, nur um mal ne Platte zu belichten! :)